Die Kiste von Morgen _ von Angelina

Die Kiste von Morgen

Dienstag, 27.09.2016 MABELLA

Ich bin Mabella (Spitzname: Mabel) und 16 Jahre alt. Ich würde mich als etwas anders als die Anderen bezeichnen, denn das was mir widerfahren ist, geschieht höchstens zweimal im Jahrhundert. Doch was ich wirklich meine, kann man nicht an einem Tag verstehen, deswegen dieses Tagebuch. Seit diesem Tag möchte ich alles notieren, damit ich mich später vergewissern kann, dass dies wirklich passiert ist. Wer weiß, wie lange es wohl dauert dieses Abenteuer zu realisieren…

An diesem Morgen las ich wie immer mein Buch, welches von Elfen handelt. Diesmal aber wurde ich fertig mit dem Buch und erfuhr, dass die Elfe gelernt hat, wie sie sich an einen Ort schicken kann. Sie musste einfach fest genug an diesen Ort denken und schon war sie dort. Als ich in die Schule ging, dachte ich an den Ort, an den sie sich zuletzt gedacht hatte: ….

Ihr Zuhause, da wo ihr Freund und ihre beste Freundin waren und sehnlichst auf sie warteten.

Doch dann fiel mir ein, dass es Zeit war in die Schule zu gehen. Um mir die Zeit zu vertreiben, dachte ich an den Ort, an den sich die Elfe zuletzt geschickt hat. Bildlich konnte ich es immer nur sehen, wenn ich die Augen schloss. Für ein paar Sekunden war ich nicht mehr auf dieser Welt. Ich war mit meinem Geist komplett abwesend. Ich wollte nicht in die Schule, ich wollte nur zu diesem Ort, wo die Elfe sich jetzt befinden würde, wenn sie lebendig wäre.

Doch ich musste einsehen, dass ich wieder in die Realität zurück musste um nicht angefahren zu werden. Aber anstatt die Altstadt vor mir im Stress zu sehen, lag ich in einem Raum, wo gerade ein Junge und ein älterer Mann mir entgegen kamen.

Siehst du? Ich habe dir gesagt, dass es heute passieren wird.“, sagte der ältere Mann zu dem viel zu gutaussehenden Jungen. „Jaja! Ich wusste, dass du diese Ansprache ausgerechnet jetzt halten musstest. Doch begrüßen wir doch einfach unseren verwirrten Gast.“ Als er antwortete, sah er begeistert und etwas betrübt zu mir herüber. Der Junge hielt mir die Hand hin, doch ich begriff spät, dass sie mir aufhelfen sollte. Anstatt irgendwas zu sagen, grinsten die beiden mich einfach die ganze Zeit an. Ich wusste nicht, was ich machen sollte, also hob ich meine Mundwinkel zu einem gezwungenen Grinsen an.

Nach einer halben Ewigkeit des falschen Grinsens, bemerkte ich, dass eine riesige, alte und verstaubte Kiste vor meinen Füßen lag. „Was ist das?“, erkundigte ich mich und streckte meinen Finger der Kiste hin. „Dies, mein Kind, wirst du schon früh genug erfahren. Jetzt musst du aber wieder in die Schule. Denke genau an diesen Ort, wenn du mit den Hausaufgaben fertig bist!“, erklärte mir der alte Mann und kaum konnte ich antworten, schon saß ich hinter der Schule.

Jetzt hatte es gegongt und ich musste in meine erste Stunde, was nicht wirklich meine Liebste war. Es war Erdkunde, wo wir letzte Stunde eine Stehgreifaufgabe geschrieben haben. Die würden wir heute zurückbekommen. Ich habe ein mulmiges Gefühl…

MOMENT!!!!

Was ist eigentlich gerade passiert!? Ich habe einen alten Mann mit einem (Grinsemännchen) Jungen getroffen, die sagten, sie wussten, dass ich heute kommen würde…

  1. Woher wussten die, wer ich bin?
  2. Woher sollten sie den bitte rauskriegen, dass ich heute kommen würde? Ich meine, ich habe es selber nicht mal gewusst!

Wie er zum Schluss sagte, ich sollte nach den Hausaufgaben nochmal an diesen Ort denken. Und was machte ich? Ich fragte die unnötigste Frage, die es in diesem Moment gab: „Was ist das?“

Wie dumm bin ich eigentlich? Anstatt zu fragen, wo ich war oder wer die waren, musste ich unbedingt die Kiste enttarnen, dazu auch noch ohne Erfolg. Ich musste unbedingt mit Luisa reden, die meine beste Freundin ist. Sie würde wissen, was ich machen sollte. Das war einfach gerade zu viel für mich.

Rede doch nicht so ein Quatsch, als ob das wirklich passiert ist!“, konterte Luisa, als ich es ihr in der Pause erzählte. „Ich kann es dir heute nach den Hausaufgaben zeigen“, überzeugte ich Luisa, „denn dieser alte Knacker meinte, ich sollte an denselben Ort denken, wenn ich mit denen fertig wäre…“ Sie dachte echt, ich hätte sie nicht mehr alle, doch sie willigte ein. Die Pause zwischen uns war eine Denkpause, in der wir beide über das Geschehen nachdachten.

Was hast du bei der Nummer drei rausbekommen?“, fragte ich Luisa nach den Mathehausaufgaben. Sie warf mir einen verstohlenen Blick zu als sie dann antwortete: „Bei der Nummer drei? Ah da habe ich: Ist-das-dein-Ernst,-dass-du-Hausaufgaben-machst hoch drei. Und du?“ Ich warf ihr einen bösen Blick zu, als sie dies aussprach. „Luisa, natürlich bin ich neugierig, aber deswegen sollen doch nicht meine Hausaufgaben leiden, oder?“ Ich war die Beste von allen und wollte es wegen einem unerklärlichen Phänomen nicht aufgeben.

Nach einer halben Stunde böse anfunkeln und Mathe machen, war ich bereit und Luisa erst recht. Ich erklärte ihr erst mal, wie es dort überhaupt aussah. Ich erzählte ihr von dem Boden, der mit Staub und mystischen Zahlen ausgestattet war, von der Decke, von der ganz viele Modelle von Fabelwesen und Bilder runter hingen, von der alten, schäbigen und antiken Kiste und natürlich auch von dem Jungen, der mich ohne Pause anlächelte, genauso wie der ältere Mann. Ebenfalls erzählte ich ihr, dass er super aussah: Schön gebaut, tolle hochgegelte, brünette Haare und ein symmetrisches Gesicht. Aber so wie er aussah, war ich bestimmt nicht die Erste, die von seinem Anblick erstarrte. Luisa horchte gespannt zu und als ich den Jungen erwähnte, kreischte sie einmal laut auf. (Ich natürlich auch 😉 ,Mädchen halt…)

Sie wollte natürlich das ich anfange und mich dann vor ihren Augen in Luft auflöse, doch meine Schläfen kribbelten und meine Unterlippe durchzog ein Riss, der sich langsam mit Blut füllte. Es brannte und kribbelte und wenn dies nicht schon genug wäre, hatte ich noch diese schlimmen Kopfschmerzen, die nicht auszuhalten waren. Um ehrlich zu sein war meine Neugier nicht groß, um mich in diesem Zustand weg zu beamen. Aber Luisa verstand natürlich nicht, wie schlecht es mir ging und sie wartete nur darauf, dass ich mich auflösen würde. „Und? Bist du bereit?“, drängelte sie. Ich nickte nur leicht, damit sie nichts von meinem Zustand mitbekommen würde.

Nun dachte ich an denselben Ort, nämlich den, mit dem Boden der irgendein Geheimnis verborgen hielt, der Decke, mit tausend Erinnerungen, der mystische Kiste, die mitten im Raum stand. Und um das ganze Ganze abzurunden, natürlich auch an den gutaussehenden Jungen. Es war jetzt etwas anstrengender es bewusst zu machen anstatt nur aus Langeweile. Diesmal war das etwas anders, denn ich war in einer Art Galaxy-Farben-Rausch gefangen. Es war wunderschön und gefährlich zugleich. Kurze Zeit später stand ich wieder in diesem geheimnisvollen Raum, doch diesmal war etwas anders. Die Kiste war weggeräumt und der alte Mann war nicht mehr da, sondern nur der Junge, dessen Namen ich bestimmt gleich rausbekommen würde. „Hey! Ich dachte schon du kommst heute nicht mehr. Hattest du so viele Hausaufgaben auf?“ Aber anstatt was zu antworten, nickte ich nur. „Okay… Jetzt bin ich an der Reihe, dir Fragen zu stellen!

  1. Wer bist du?
  2. Wie komme ich hier her?
  3. Wie wusstet ihr, dass ich kommen würde?

Einige Sekunden brauchte er anscheinend, um zu begreifen, was ich hier von ihm verlange. „Zu deiner 1. Frage: Ich bin Beck, dein Partner. Zu der 2. Frage: Du bist die zweite in diesem Jahrhundert, die diese >Ortsgabe< bekam und ich bin der Erste. Mehr gibt es in einem Jahrhundert nicht. Zu der 3. Frage: Es stand so in den Prophezeihungen.“, gab er mir eine Antwort auf alle meine Fragen. Doch mit dieser Antwort, traten nur noch mehr Fragen auf. „Ähm… Ich versteh es nicht so ganz. Was für eine >Ortsgabe<? Und woher wollt ihr wissen, dass ich es bin?“ Zugegebenermaßen, die letzte Frage konnte ich mir sparen, denn nicht nur er hier weiß, dass ich aus dem Nichts hier aufgetaucht bin. „Wir wissen, dass du das bist, denn du hast die Merkmale: Eine aufgeplatzte Lippe, deine Schläfen zittern und du hast sehr schlimme Kopfschmerzen, was man sehr deutlich sieht.“, erklärte er es mir. Jetzt brummte es in meinem Kopf umso mehr, wenn er versuchte mir zu antworten. „Und wo sind bitteschön die Prophezei…“, mehr konnte ich nicht aussprechen, denn er hatte mich schon mit einem unhöflichen „Schsch“ unterbrochen. „Wir haben nicht mehr lange Zeit, denn du wirst gleich wieder zurück gebeamt! Hör mir genau zu! Wenn du mehr Antworten haben willst, dann komm morgen nach den Hausaufgaben nochmal her, denn dann werde ich auf dich warten und zwar nur ich und glaub mir, ich kenne dich besser als du denkst, Mabel“ Mit einem Satz lag ich wieder in meinem Zimmer. Es musste kaum Zeit vergangen sein. Noch immer hatte ich seine Stimme im Ohr, als er meinen Namen erwähnte.

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